Typisch evangelisch - typisch katholisch

Im 16. Jahrhundert zerbrach die Einheit der abendländischen Christenheit. Die Kirchen der Reformation trennten sich von der römisch-katholischen Kirche. Beide verbindet wie alle Christen der Glaube an den „einen Gott“, seinen Sohn Jesus Christus und die Kraft des Heiligen Geistes. Die zwei Konfessionen entwickelten in Alltag und Gottesdienst allerdings eigene Traditionen, mit denen sie sich zugleich voneinander abgrenzen:

► Bibel: Die Heilige Schrift ist für alle Christen Zentrum und Quelle ihres Glaubens. In evangelischen Gottesdiensten wird meist die dem modernen Deutsche angepasste „Lutherbibel“ und in deutschsprachigen katholischen Messen die „Einheitsübersetzung“ benutzt. Schon lange gibt es allerdings von katholischen und evangelischen Theologen gemeinsam herausgegebene ökumenische Übersetzungen.

► Gottesdienst: Nach wie vor gilt für römisch-katholische Christen die Pflicht, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Dem kommen nach der letzten Statistik aus dem Jahr 2001 rund 16 Prozent der Katholiken regelmäßig nach. Obwohl auch von evangelischen Christen der sonntägliche Kirchgang erwartet wird, besucht nur eine Minderheit den Gottesdienst. Statistiken zählen weniger als fünf Prozent.

► Sakramente: Christen verstehen Sakramente als heilende Zeichen der Nähe Gottes – danach tritt Gott in den Sakramenten zu den Menschen in Beziehung. Die katholische Kirche kennt ebenso wie die orthodoxen Ostkirchen sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße mit Sündenbeichte, Krankensalbung, Priesterweihe sowie die Ehe. In der evangelischen Kirche gibt es zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl.

► Abendmahl und Eucharistie: In der Regel dürfen in der katholischen Eucharistiefeier nur katholische Christen die Kommunion empfangen. Katholiken ist der Empfang des Abendmahls in evangelischen Kirchen verboten. Aus Sicht des römischen Lehramts sind evangelische Pfarrer nicht gültig geweiht. Sie könnten daher die Sakramente nicht gültig spenden, so der Vatikan. In der evangelischen Kirche sind dagegen alle getauften Christen zum Abendmahl eingeladen, die auch in ihren Heimatkirchen zum „Tisch des Herrn“ zugelassen sind.

► Konfirmation und Firmung: In der evangelischen Kirche nehmen fast alle getauften Mädchen und Jungen im Alter von etwa 14 Jahren an der Konfirmation teil. Der evangelischen Konfirmation entspricht die katholische Firmung, meist zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr. Zuvor gehen junge Katholiken mit etwa zehn Jahren zur „Erstkommunionfeier“, bei der sie erstmals die Eucharistie empfangen.

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