Passionszeit Evangelische Friedenskirche München Trudering
 

Palmsonntag

Zweimal im Kirchenjahr denkt die Christenheit ganz besonders an den Einzug Jesu in Jerusalem: am ersten Adventssonntag und an Palmarum, dem Sonntag, mit dem die Karwoche beginnt. Sie ist die wichtigste Woche des Kirchenjahres mit dem Karfreitag und dem Osterfest als krönendem Abschluss.

Jesus reitet in Jerusalem ein und das Volk jubelt ihm wie einem König zu. Ein bekanntes Palmsonntagslied beginnt: „Singt dem König Freudenpsalmen“. Die Adventslieder „Macht hoch die Tür“ und „Tochter Zion freue dich“ waren ursprünglich auch Palmsonntagslieder.

Das Johannesevangelium berichtet: „Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen“ (Joh. 12,13). Die Palme galt schon den Babyloniern, als Gnaden- und Gottesbaum, in der Antike als Zeichen des Sieges. In den Heiligenlegenden ist der Palmenzweig ein generelles Attribut der Märtyrer, aber als Zeichen des Sieges und des ewigen Lebens. Beide Aspekte der Karwoche kommen in den Palmzweigen zum Ausdruck: das bevorstehende Leiden Christi und seine siegreiche Auferstehung. Hierzulande gibt es keine Palmenzweige. Sie werden durch Palmkätzchen, also Weidenzweige, ersetzt und oft mit immergrünen Zweigen, z.B. Buchsbaum, gebunden. Der immergrüne Blätterschmuck als Zeichen der immerwährenden Gnade Gottes.

Der Einzug Jesu in Jerusalem wird seit ca. 700 n.Chr. in Palmprozessionen dargestellt. In München sind diese Umzüge seit dem 13. Jahrh. nachweisbar. Anfangs führte man einen lebenden Esel mit, aber das Tier konnte störrisch sein und kostete die Kirche Futtergeld. So schnitzte man einen hölzernen Esel, bemalte ihn, setzte eine geschnitzte Jesusfigur darauf und zog dieses Ensemble in der Prozession mit. 1738 wurden diese Prozessionen verboten, denn sie waren teilweise zur Volksbelustigung verkommen: Mütter spendierten dem Eselsführer etliche Seidel Bier, damit er ihre Kinder auf den Palmesel hat aufsitzen und ein Stück mit reiten lassen. Nur sehr wenige der hölzernen Palmesel sind noch erhalten. Im Nationalmuseum in München ist so ein Palmesel noch zu bewundern.

Für den Einzug eines Königs würden wir ein edles Pferd erwarten. Aber der Esel ist im vorderen Orient das Reittier schlechthin: treu, zuverlässig, belastbar, anspruchslos. Er ist das Sinnbild des gewaltlosen Friedenskönigs und der Bescheidenheit.

Jesus reitet auf einem alltäglichen Lasttier, unter „Hosianna“ - Rufen der Menge, in Jerusalem ein. Vielleicht sind es dieselben Menschen, die nur ein paar Tage später das „Kreuzige“ schreien.

Gertrud Nüßler und Barbara Höh


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