Abschied

Liebe Gemeinde,

Fast 35 Jahre Pfarrer in der Friedenskirchengemeinde in Trudering! Fast 35 Jahre gemeinsame Gemeindearbeit, zusammen mit meiner Frau, zusammen auch mit vielen haupt- und vor allem ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Zeit und Kraft und Liebe und Phantasie investiert haben, damit ein lebendiges, erfülltes Gemeindeleben an der Friedenskirche entstehen kann.
Es fällt mir ungeheuer schwer, eine solch lange Zeit, die nun am 31. März zu Ende geht, in wenige Worte eines Rückblicks zu fassen.
Eines weiß ich jedenfalls (noch) ganz genau: als wir damals, im Frühsommer 1971 die Anfrage erhielten – ich war Vikar in Bamberg – ob ich die 2. Pfarrstelle in „München-Friedenskirche“ (Trudering), antreten wolle, da habe ich von ganzem Herzen „Ja“ gesagt; und mit großer Freude und Zuversicht habe ich dann im August desselben Jahres meine Arbeit hier begonnen. Bis März 1977 auf der 2. Pfarrstelle, von da an als Inhaber der 1. Pfarrstelle.
Und: die Freude ist bis heute geblieben, und hat mich und meine Arbeit begleitet.
Nun kommt ein großes Gefühl der Dankbarkeit hinzu, dass ich diese Arbeit hier tun durfte bis zum letzten „dienstlichen“ Augenblick.
So kann ich sagen: es war eine reiche, intensive Zeit. Wir, meine Frau und unsere Söhne, sind liebevoll aufgenommen und begleitet worden. Von ganzem Herzen danken wir dafür.
Was in diesen fast 35 Jahren alles „gewesen“ ist, ich kann es kaum aufzählen; angefangen bei den ganz normalen Aufgaben eines Pfarrers:
Wie viele Kinder habe ich wohl in dieser langen Zeit getauft, konfirmiert, dann verheiratet, deren Kinder wieder getauft und konfirmiert…? Das ist eine meiner schönsten Erfahrungen: die Begleitung so mancher Familien über viele Lebensstationen.
Die große Zahl von Kirchenvorstandssitzungen, die vielfachen Begegnungen mit Mitarbeitern zu den verschiedensten Anlässen, die Begleitung so mancher Kreise (z.B. des „jungen-alten“ Ehepaarkreises), der Kontakt mit den älteren und alten Menschen, oftmals bis hin zum Sterben;
die Reisen auf des Apostels’ Paulus Spuren, die bewegenden Fahrten und Treffen in Boizenburg und vor allem die Gottesdienste in der Friedenskirche als Mitte meines und unseres gemeinsamen geistlichen Lebens.
Es ist unmöglich, auch nur annähernd all das aufzuführen, was meinen Dienst als Pfarrer in dieser langen Zeit umfasst. Aber, ich sage es noch einmal: ich bin den Weg mit euch sehr gern gegangen, es war ein Geben und vor allem auch ein Nehmen.
Nun blicken meine Frau und ich nach vorn, auf den Weg, auf die Zeit, die vor uns liegt. Sicher und hoffentlich ist auch ein Stückchen Neugier dabei, Neugier und Offenheit für das, was das Leben für uns noch bereithält. Eine neue Umgebung in Baldham, neue Menschen, neue Begegnungen…
So ganz neu ist die Umgebung ja nicht, es ist die Wohnung meiner Eltern in die wir jetzt ziehen werden. Und auch Baldham ist mir und uns nicht ganz fremd. Meine Semesterferien habe ich meistenteils dort verbracht, da gerade während meiner Studienzeit mein Vater Pfarrer in Baldham war.
Also kein ganz fremdes Terrain; und doch sicher anders und auch neu. Natürlich soll nun auch ein wenig mehr Zeit sein für die Familie, für Freunde, die eine oder andere Unternehmung.
So sage ich euch – auch im Namen meiner Frau – ein herzliches „Behüt euch Gott!“; es war schön, mit euch zu leben und zu arbeiten. Pfarrergenerationen kommen und gehen.
„Wir sind es doch nicht“ – so sagt Martin Luther – „die da die Kirche erhalten können. Unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachfahren werden’s auch nicht sein, sondern der ist’s gewesen, ist’s noch und wird es sein, der da sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Die Jahre in Trudering sind ein großes Stück meines Lebens; sie sind ein Teil von mir und die Verbindung zur Friedenskirchengemeinde wird nie vergessen sein.

Die Tage klingen nach
Du hast sie uns gegeben
Und wunderbar erfüllt
Mit Freude und mit Leben.
Der du Begegnung schaffst
Du öffnest Herz und Tür –
Wir haben es erlebt
Und danken dir dafür.


Ihr
M. Rohrbach

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