Wissenswertes Evangelische Friedenskirche München Trudering
 

Karl Barth - vor 125 Jahren geboren

Ein Theologe aus Leidenschaft

Einen „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ hat man ihn genannt: Mit seiner bisweilen düsteren Rede vom ganz anderen, nie auf Menschenmaß zurechtzustutzenden Gott, aber auch mit seinem Widerstand gegen den Allmachtsanspruch der Nazi-Weltanschauung hat er Impulse geliefert, von denen die Theologen heute noch zehren.

Am 10. Mai jährt sich zum 125. Mal der Geburtstag des reformierten Schweizer Theologen Karl Barth. Gegen das bedächtige „Sowohl als auch“ vieler akademischer Kollegen beharrte der Dogmatikprofessor auf dem Ärgernis des Evangeliums. Mit einer spröden, manchmal polternden Leidenschaft sprach er von der erhabenen Distanz zwischen Gott und Mensch, die Gott ganz allein mit seiner souveränen Liebe überwinde: mit einer „senkrecht von oben“ in die Welt einfallenden Gnade.

Dass diese kantige, widerborstige Theologie vor allem bei jungen Leuten enormen Erfolg hatte, lag wohl auch an Barths ziemlich untypischem Werdegang: Der Sohn eines Theologieprofessors verließ nach dem Studium die Hochschule, um als Pfarrer in einer kleinen Bauern- und Arbeitergemeinde tätig zu sein und das Gedankengut der religiösen Sozialisten zu verbreiten. Ohne die üblichen akademischen Weihen wurde er 1921 überraschend als Professor nach Göttingen berufen. Im selben Jahr erschien sein „Römerbrief“ - Kommentar, der mit seiner markant-prophetischen Sprache wie eine Bombe einschlug. Grundaussage: Christlicher Glaube bedeutet das riskante Ja zu einem verborgenen, unbegreiflichen Gott. Nur wer vor diesem Gott bis ins Mark erschrickt, kann seine Liebe als das unfassbare Wunder erfahren, das sie ist.

Später, etwa in seiner monumentalen „Kirchlichen Dogmatik“, hat er die Menschlichkeit dieses bestürzend fremden Gottes stärker akzentuiert. In seiner Offenbarung in Christus hat sich dieser Gott zwar an die Existenz einer christlichen Gemeinde gebunden – aber er kann auch seine eigenen Wege gehen. Die Kirche hat keinen Grund, sich zu überschätzen, sie ist nicht unbedingt notwendig.

Als der mittlerweile in Bonn lehrende Barth 1935 seine Professur verlor, ging er nach Basel und kämpfte von dort aus gegen die Gleichschaltung der Gewissen. Zwischen alle Stühle setzte er sich 1938, als er das tschechische Volk zum Widerstand gegen die drohende Invasion Hitlers aufrief. Nach dem Krieg gehörte er zu den Mitbegründern des Ökumenischen Weltrats der Kirchen. Karl Barth starb am 10. Dezember 1968 in Basel.

Christian Feldmann


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