Zum 100. Todestag von Friedrich von Bodelschwingh

Der fröhliche Handlanger Gottes


Vor 100 Jahren ist Friedrich von Bodelschwingh in Bielefeld-Bethel gestorben, am 2. April 1910. Geboren wurde er am 6. März 1831 auf Haus Mark in der Grafschaft Bentheim.
Von seinem Amtsantritt im Januar 1872 bis zu seinem Tod wird Bodelschwingh 38 Jahre die Arbeit in Bethel prägen. Zwar haben die „Anstalt für Epileptische“ und die „Westfälische Diakonissenanstalt“ ihre eigentliche Gründungsphase schon hinter sich. Aber Friedrich von Bodelschwingh macht Bethel zu dem, was noch heute alle Welt mit diesem Namen verbindet: „Die Stadt der Barmherzigkeit“. Deshalb gilt er mit Recht als der „Vater von Bethel“. Er ist ein weit vorausschauender Planer, ein glänzender Organisator und ein genialer Bettler. Aber das allein beschreibt nicht das Geheimnis, auf dem sein Werk in Bethel aufbaut. Dazu gehört neben dem Gebet sein kindliches Vertrauen auf Gott und Gottes Führungen.
Sein Geheimnis ist, dass er nicht wegschauen kann. „Ich betrachte mich als fröhlichen Handlanger Gottes“, sagt er selbst über sich, „und greife zu, wo mir Gott eine Not vor die Füße legt.“
Bodelschwingh lebt unter einem offenen Himmel. Seine Arbeit und sein Umgang mit den Kranken sind durchdrungen von der christlichen Hoffnung. Er denkt nicht nur von Gottes Ewigkeit her; für ihn ist das irdische Leben der Weg auf die Ewigkeit zu – und Bethel eben ein Ort, an dem man sich darauf vorbereitet. Darum gilt für Bodelschwingh:
„Das Wort „unheilbar“ steht im Wörterbuch eines Christen nicht mehr. Wer danken gelernt hat, ist gesund geworden, auch wenn er sein ganzes Leben in der Zelle zubringen muss.“
Immer versucht er, nach dem Ausspruch zu handeln, der ihm selbst zugeschrieben wird: „Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt.“
Neben psychisch und epileptisch Kranken gilt sein Engagement vor allem den „Brüdern von der Landstraße“; den Wanderarmen, für die er sich sogar noch als Abgeordneter im Preußischen Landtag einsetzt.
Sein umfangreiches Lebenswerk ist der praktische Ausdruck von seinem geistlichen Lebensmotto, das er einem Ausspruch des Apostels Paulus nachempfunden hat (2. Korinther 4,1): „Nachdem uns Barmherzigkeit widerfahren ist, werden wir nicht müde.“ Diese Worte stehen auch auf seinem Grabstein.

Reinhard Ellsel
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